PSMA-VOL
Der Begriff PSMA-VOL bezeichnet das PSMA-positive Tumorvolumen bei Prostatakrebs-Patienten.
Es handelt sich um einen modernen, quantitativen Bildgebungs-Biomarker,
der mittels einer PSMA-PET/CT oder PET/MRT gemessen wird.
Dabei wird die gesamte Menge (das Gesamtvolumen) des Tumorgewebes im Körper berechnet,
das das Prostata-spezifische Membran-Antigen (PSMA) auf der Zelloberfläche trägt.
Die Prognosekraft von PSMA-VOL beim Prostatakarzinom
Ein umfassender Leitfaden für Patienten
Die Diagnose Prostatakrebs stellt für betroffene Männer und ihre Angehörigen oft eine Zäsur dar, die von Unsicherheit und vielen medizinischen Fachfragen geprägt ist. In den letzten Jahren hat die Medizin jedoch enorme Fortschritte gemacht, die uns heute Möglichkeiten bieten, die noch vor einem Jahrzehnt undenkbar schienen. Eine der bedeutendsten Entwicklungen in der modernen Onkologie ist die Nutzung des PSMA (Prostataspezifisches Membranantigen: Ein Eiweiß, das fast ausschließlich auf der Oberfläche von Prostatakrebszellen vorkommt) als Zielstruktur für die Diagnose und Therapie. Während Patienten früher oft nur ihren PSA-Wert (Prostataspezifisches Antigen: Ein Eiweißwert im Blut, der als Tumormarker dient) als Orientierungspunkt hatten, tritt nun ein neuer, räumlicher Parameter in das Rampenlicht: das PSMA-VOL (PSMA-Volumen: Das mathematisch berechnete Gesamtvolumen aller Tumorherde im Körper, die das PSMA-Eiweiß tragen).
Stellen Sie sich vor, der PSA-Wert im Blut wäre wie der Rauch eines Feuers. Er verrät uns, dass es brennt und gibt einen Hinweis auf die Intensität des Brandes. Doch der Rauch allein sagt uns nicht genau, wo das Feuer brennt oder wie viele Gebäude bereits betroffen sind. Das PSMA-VOL hingegen wirkt wie eine Wärmebildkamera aus der Luft. Es zeigt uns nicht nur die exakten Brandherde, sondern berechnet auch die gesamte Fläche und Masse der Flammen im gesamten Körper. Diese "digitale Landkarte" Ihrer Erkrankung ermöglicht es Ärzten heute, die Prognose (Vorhersage über den Krankheitsverlauf und die Heilungsaussichten) viel präziser einzuschätzen als je zuvor.
Die Bestimmung dieses Volumens erfolgt durch eine hochmoderne Untersuchung, die PSMA-PET/CT (Kombination aus Positronen-Emissions-Tomographie und Computertomographie: Ein bildgebendes Verfahren, das Krebszellen durch ein schwach radioaktives Markierungsmittel sichtbar macht). Hierbei machen Mediziner die Gesamtheit der bösartigen Zellen im Körper sichtbar und messbar. Warum ist das für Sie so wichtig? Weil das Wissen über die exakte Menge des Tumors im Körper – die sogenannte Tumorlast (Die Gesamtmenge an Tumorgewebe, die sich zu einem bestimmten Zeitpunkt im Körper befindet) – die Entscheidung für oder gegen bestimmte Behandlungen wie die Radioligandentherapie (Eine Form der inneren Bestrahlung, bei der radioaktive Teilchen gezielt zu den PSMA-Antennen der Krebszellen transportiert werden) maßgeblich beeinflusst.
Die digitale Landkarte des Krebses: Wie PSMA-VOL die Tumorlast sichtbar macht
Um die Bedeutung von PSMA-VOL zu verstehen, müssen wir uns zunächst ansehen, wie diese Daten überhaupt entstehen. Das Herzstück ist das PSMA-Eiweiß, das wie eine Antenne auf der Oberfläche der Krebszellen sitzt. Je bösartiger und aktiver die Zelle ist, desto mehr dieser Antennen streckt sie aus. Bei einer PSMA-PET/CT-Untersuchung injizieren Nuklearmediziner einen sogenannten Tracer (Markierungssubstanz: Ein schwach radioaktives Mittel, das gezielt an bestimmte Strukturen im Körper bindet). Dieser Tracer fungiert wie ein Schlüssel, der genau in das Schloss der PSMA-Antennen passt.
Die hochempfindlichen Sensoren des PET-Scanners fangen die Signale ein, die von diesen markierten Zellen ausgehen. Moderne Computerprogramme nutzen diese Signale nun, um nicht nur Bilder zu erzeugen, sondern mathematische Modelle zu errechnen. Hierbei entsteht der Wert des PSMA-VOL. Dabei addiert der Computer das Volumen jedes einzelnen Leuchtpunktes im Körper zu einer Gesamtzahl, die meist in Millilitern (ml) oder Kubikzentimetern ($cm^3$) angegeben wird.
Warum die Masse entscheidender ist als die Anzahl
In der Vergangenheit zählten Ärzte oft nur die Anzahl der Metastasen. Man sprach von einer "geringen Metastasierung", wenn beispielsweise weniger als fünf Absiedlungen in den Knochen sichtbar waren. Doch diese Zählweise ist ungenau. Drei sehr große Metastasen können eine wesentlich höhere Belastung für den Körper darstellen als zehn winzige, kaum sichtbare Punkte. Das PSMA-VOL korrigiert diesen Fehler, indem es die tatsächliche biologische Masse erfasst.
Ein hoher PSMA-VOL-Wert bedeutet eine hohe Tumorlast. Studien belegen, dass dieser Wert oft besser vorhersagen kann, wie lange eine Therapie wirken wird, als der herkömmliche PSA-Wert. Dies liegt daran, dass manche Tumorzellen zwar wachsen, aber kaum PSA in das Blut abgeben. Die PSMA-Antennen auf ihrer Oberfläche behalten sie jedoch meistens, weshalb sie in der Bildgebung sichtbar bleiben.
Die Kombination von Volumen und Intensität
Neben dem reinen Volumen messen Ärzte auch die Helligkeit der Signale, den sogenannten SUV (Standardized Uptake Value: Ein Maß für die Intensität, mit der ein Tumor den radioaktiven Markierungsstoff speichert).
Das PSMA-VOL sagt uns: Wie viel Krebs ist da?
Der SUV sagt uns: Wie aktiv oder "aggressiv" ist dieser Krebs?
Zusammen ergeben diese Werte ein präzises Profil der Erkrankung. Wenn eine Behandlung mit Lutetium-177-PSMA (Pluvicto) geplant ist, dient das PSMA-VOL als Entscheidungsgrundlage. Die Ärzte berechnen anhand des Volumens, wie gut sich die radioaktive Substanz im Körper verteilen wird. Ist das Volumen sehr groß, muss die Strahlung eine riesige Menge an Zellen bekämpfen. Ist es klein, konzentriert sich die Energie auf wenige Herde, was die Heilungschancen oft verbessert.
Der Einfluss auf die Therapieplanung
Die Messung des PSMA-VOL hat direkte Auswirkungen auf den Behandlungsalltag. In deutschen Kliniken wird dieser Wert zunehmend genutzt, um die Therapie individuell anzupassen:
Früherkennung von Resistenzen: Wenn das PSMA-VOL unter einer Hormontherapie ansteigt, obwohl der PSA-Wert stabil bleibt, erkennt der Arzt früher, dass die Behandlung nicht mehr ausreichend wirkt.
Präzision der Bestrahlung: Bei einer geplanten äußeren Bestrahlung hilft das exakte Volumen dabei, das Zielgebiet millimetergenau zu definieren und gesundes Gewebe zu schonen.
Auswahl der Medikamente: Patienten mit einem sehr hohen PSMA-VOL profitieren laut aktueller Daten oft mehr von einer Kombinationstherapie aus Hormonblockade und Radioligandentherapie, da eine einfache Behandlung allein die große Tumormasse oft nicht bewältigen kann.
Der aktuelle Studienstand
Die Forschung zum PSMA-VOL hat in den letzten drei Jahren (2022–2025) eine rasante Entwicklung genommen. Die wichtigsten Erkenntnisse stammen von den großen internationalen Kongressen wie dem ASCO und dem ESMO. Hier wurden Daten präsentiert, die zeigen, dass die Vermessung des Tumors kein bloßes Experiment mehr ist, sondern ein entscheidender Faktor für das Überleben der Patienten.
Die VISION-Studie: Ein Durchbruch für die Radioligandentherapie
Die VISION-Studie war die Grundlage für die Zulassung von Lutetium-177-PSMA-617 (Pluvicto) bei Patienten mit metastasiertem, kastrationsresistentem Prostatakarzinom (mCRPC). In dieser Phase-III-Studie erhielten Patienten, die bereits eine Chemotherapie hinter sich hatten, die neue Radioligandentherapie.
Medianes Gesamtüberleben (OS):
Mit Lu-177-PSMA + Standardtherapie: 15,3 Monate
Mit alleiniger Standardtherapie: 11,3 Monate
Reduktion des Sterberisikos:
Durch die zusätzliche Lu-177-PSMA-Therapie wurde das Sterberisiko um 38 % gesenkt.
rPFS (Progressionsfreies Überleben):
Mit Lu-177-PSMA + Standardtherapie: 8,7 Monate
Mit alleiniger Standardtherapie: 3,4 Monate
PSA-Ansprechen (> 50 %):
Mit Lu-177-PSMA + Standardtherapie: 46 % der Patienten
Mit alleiniger Standardtherapie: 9 % der Patienten
Die Forscher analysierten nachträglich das PSMA-VOL dieser Patienten. Es zeigte sich, dass Patienten mit einem hohen Ausgangsvolumen (Baseline PSMA-TV) ein höheres Risiko für ein Fortschreiten der Erkrankung hatten. Dennoch profitierten Patienten in allen Volumen-Gruppen von der Therapie, sofern die Intensität der PSMA-Speicherung (SUVmean) hoch genug war. Eine Erhöhung des SUVmean um nur einen Punkt senkte das Sterberisiko um etwa 10 %.
Die PSMAfore-Studie: Einsatz vor der Chemotherapie
Die im Jahr 2023 und 2024 präsentierten Daten der PSMAfore-Studie untersuchten den Einsatz von Lutetium-177-PSMA bei Patienten, die noch keine Chemotherapie erhalten hatten (Taxan-naiv). Dies ist ein entscheidender Schritt, um die Behandlung früher im Krankheitsverlauf einzusetzen.
Ergebnisse zum rPFS: Die Zeit bis zum sichtbaren Fortschreiten des Tumors lag unter Lu-177-PSMA bei 9,3 Monaten, verglichen mit 5,6 Monaten bei einem Wechsel der Hormontherapie.
Gesamtüberleben (OS): Die finalen Daten zeigten ein medianes Überleben von 24,48 Monaten für die Lutetium-Gruppe gegenüber 23,13 Monaten in der Vergleichsgruppe.
Bedeutung des Crossovers: Ein wichtiger Punkt für das Verständnis dieser Zahlen ist, dass 84 % der Patienten, deren Tumor unter der Standardtherapie wuchs, im Anschluss ebenfalls Lutetium erhielten (Crossover). Dies verwässert den statistischen Unterschied im Gesamtüberleben. Wenn man diesen Effekt herausrechnet, ist der Vorteil der frühen Lutetium-Gabe deutlich größer (Hazard Ratio 0,59).
Lebensqualität: Patienten unter Lu-177-PSMA berichteten über eine signifikant bessere Lebensqualität und eine deutlich längere Zeit ohne starke Schmerzen.
Die ENZA-p Studie: Kombinationstherapie im Fokus
In der ENZA-p Studie (Phase II) wurde die Kombination aus der starken Hormontherapie Enzalutamid und Lu-177-PSMA getestet. Hier erwies sich das PSMA-VOL als extrem starker Prognosefaktor.
- Enzalutamid allein (niedriges PSMA-VOL): Das mediane Gesamtüberleben beträgt 39 Monate.
- Enzalutamid allein (hohes PSMA-VOL): Das mediane Gesamtüberleben beträgt 20 Monate.
- Kombination (Enzalutamid + Lu-PSMA): Das mediane Gesamtüberleben beträgt 34 Monate (insgesamt).
In dieser Studie zeigte sich, dass Patienten mit einer hohen Tumorlast (hohes PSMA-VOL) unter einer alleinigen Hormontherapie eine deutlich schlechtere Prognose hatten (nur 20 Monate Überleben). Die Hinzunahme von nur zwei bis vier Dosen Lutetium-177-PSMA konnte diesen Nachteil teilweise ausgleichen und die Zeit bis zum Fortschreiten der Erkrankung erheblich verlängern.
PSMAddition: Daten vom ESMO-Kongress 2025
Ganz aktuelle Daten zeigen, dass Lutetium-177-PSMA auch bei Patienten wirksam ist, deren Tumor noch auf Hormone anspricht (hormonsensitives Stadium). Die Studie belegt, dass die Kombination aus Hormonentzug, modernen Hormontabletten und der Radioligandentherapie das Fortschreiten der Erkrankung im Vergleich zur bisherigen Standardtherapie weiter verzögert. Auch hier ist das PSMA-VOL der Schlüssel, um diejenigen Patienten zu identifizieren, die eine so intensive Behandlung wirklich benötigen. Die Daten zum Gesamtüberleben sind hier noch unreif (Not mature: Ein Begriff aus der Forschung, der bedeutet, dass noch nicht genügend Ereignisse eingetreten sind, um eine endgültige Aussage über das Überleben zu treffen).
Wichtig für den Patienten
Wenn Sie oder ein Angehöriger mit Prostatakrebs leben, ist es wichtig, die Sprache der Ärzte ein Stück weit zu verstehen, um die richtigen Fragen stellen zu können. Das PSMA-VOL ist kein abstrakter Wert für Statistiker, sondern hat direkte Auswirkungen auf Ihre Lebensplanung.
Hier sind die wichtigsten Punkte, die Sie für Ihren Alltag und das Gespräch mit Ihren Medizinern wissen sollten:
Fragen Sie gezielt nach der Tumorlast: Bitten Sie Ihren Arzt, Ihnen das Ergebnis der PSMA-PET/CT nicht nur mit "viele" oder "wenige" Metastasen zu erklären. Fragen Sie: "Wie hoch ist mein PSMA-positives Tumorvolumen in Millilitern?" Dieser Wert gibt Ihnen eine objektive Basis für den Verlauf.
Individuelle Therapieentscheidung: Die S3-Leitlinie (die höchste Behandlungsrichtlinie in Deutschland) sieht die PSMA-PET/CT vor allem bei Patienten mit hohem Risiko vor der ersten Operation oder Bestrahlung sowie bei einem Rückfall (Rezidiv) vor. Wenn Ihr Tumor hohe PSMA-Werte zeigt, könnte eine Radioligandentherapie eine Option sein, selbst wenn andere Behandlungen nicht mehr wirken.
PSA-Wert vs. Bildgebung: Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn Ihr PSA-Wert schwankt. Manchmal sinkt das PSMA-VOL (die tatsächliche Tumormasse), während der PSA-Wert kurzzeitig steigt (ein Phänomen, das bei manchen Therapien vorkommen kann). Die Bildgebung ist oft das verlässlichere Werkzeug, um den Therapieerfolg zu beurteilen.
Nebenwirkungen im Blick behalten: Eine Behandlung mit Lutetium-177-PSMA, die auf Basis eines hohen PSMA-VOL eingeleitet wird, ist meist gut verträglich. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Mundtrockenheit (da die Speicheldrüsen ebenfalls PSMA-Antennen besitzen), Müdigkeit und eine vorübergehende Verschlechterung der Blutwerte. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über unterstützende Maßnahmen, wie ausreichendes Trinken oder das Kühlen der Speicheldrüsen während der Infusion.
Shared Decision Making: Sie haben das Recht, an der Entscheidung über Ihre Therapie aktiv teilzunehmen. Nutzen Sie das Wissen über Ihr PSMA-VOL, um gemeinsam mit den Ärzten abzuwägen: Ist die Tumorlast so hoch, dass wir eine intensive Kombinationstherapie benötigen? Oder ist das Volumen so klein, dass wir abwarten oder eine gezielte Bestrahlung einzelner Herde vorziehen können?.
Zweitmeinung in Zentren: Da die Auswertung von PSMA-Volumina technisches Expertenwissen erfordert, sollten Sie komplexe Fälle in einem zertifizierten Prostatakarzinomzentrum oder einer Universitätsklinik besprechen lassen. Dort werden die Bilder in einem Tumorboard (Interdisziplinäre Tumorkonferenz: Ein Gremium aus Spezialisten verschiedener Fachrichtungen, die gemeinsam für jeden Patienten die optimale Therapie festlegen) von Urologen, Onkologen, Strahlentherapeuten und Nuklearmedizinern gemeinsam bewertet.
Das Verständnis Ihres PSMA-VOL hilft Ihnen auch emotional. Es nimmt dem "unsichtbaren Feind" ein Stück weit den Schrecken, indem es ihn messbar und kontrollierbar macht.
Fazit für Patienten
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Prognosekraft von PSMA-VOL einen Wendepunkt in der Behandlung des Prostatakarzinoms darstellt. Wir verlassen das Zeitalter der Schätzungen und betreten die Ära der Präzisionsmedizin.
Eine Zusammenfassung für Sie
Die Messung des PSMA-VOL ist heute einer der ehrlichsten Spiegel Ihrer Erkrankung. Wir wissen aus den großen Studien der letzten drei Jahre, dass Patienten mit einem geringeren Tumorvolumen zu Beginn einer Therapie statistisch gesehen die besten Chancen auf ein langes Überleben haben. Doch auch für Patienten mit einer hohen Tumorlast gibt es gute Nachrichten: Die neuen Therapien wie Lutetium-177-PSMA wirken gerade bei diesen Patienten oft erstaunlich gut, weil sie die radioaktive Energie direkt in die Masse des Tumors bringen.
Die Wissenschaft belegt eindeutig, dass das PSMA-VOL:
Viel präziser ist als der PSA-Wert allein.
Dabei hilft, unnötige Behandlungen zu vermeiden, wenn das Volumen sehr klein ist.
Ein wertvoller Kompass ist, um den Erfolg einer Therapie schon nach wenigen Wochen objektiv zu beurteilen.
Der Ausblick: Was bringt die Zukunft?
Die Entwicklung bleibt nicht stehen. Forscher arbeiten bereits an der nächsten Generation der Radioligandentherapie, den sogenannten Alpha-Strahlern (z. B. Actinium-225-PSMA). Diese Teilchen haben eine noch höhere Energie, wirken aber nur über eine extrem kurze Distanz von wenigen Zellbreiten. Das Ziel ist es, selbst kleinste Metastasen mit noch weniger Nebenwirkungen für das gesunde Gewebe zu zerstören.
Ein weiterer Trend ist die Personalisierte Dosimetrie. Hierbei wird das PSMA-VOL genutzt, um für jeden Patienten die exakte Menge an Strahlung zu berechnen, die er benötigt – weg von einer Standarddosis für alle, hin zu einer maßgeschneiderten Therapie. Auch die Künstliche Intelligenz wird uns helfen: In Zukunft werden Computerprogramme innerhalb von Sekunden alle Metastasen im Körper automatisch finden, vermessen und deren Veränderung über die Zeit millimetergenau dokumentieren.
Für Sie als Patient bedeutet dies vor allem eines: Hoffnung. Die Medizin lernt jeden Tag dazu, wie sie den Krebs nicht nur sehen, sondern ihn durch dieses Sehen auch besser besiegen kann. Bleiben Sie zuversichtlich, informieren Sie sich und vertrauen Sie auf die wachsende Präzision moderner Krebstherapien.
Das kleine Lexikon - Medizinische Begriffe einfach erklärt
ADT (Androgendeprivationstherapie): Ein Entzug von männlichen Hormonen, um das Wachstum der Krebszellen zu stoppen.
Alpha-Strahler: Hochwirksame radioaktive Teilchen, die Krebszellen über eine extrem kurze Distanz sehr präzise zerstören können.
ASCO (American Society of Clinical Oncology): Die weltweit bedeutendste Organisation von Krebsspezialisten, die jedes Jahr die neuesten Behandlungsmethoden vorstellt.
Baseline: Der Ausgangszustand der Erkrankung vor Beginn einer neuen Therapie.
Biomarker: Ein messbarer Wert im Körper, der Auskunft über den Krankheitszustand oder den Erfolg einer Behandlung gibt.
Crossover: Ein geplanter Wechsel von Patienten innerhalb einer Studie zur neuen Behandlungsmethode, wenn die alte Therapie nicht mehr wirkt.
EMA (European Medicines Agency): Die europäische Behörde, die über die Zulassung und Sicherheit von Medikamenten entscheidet.
ESMO (European Society for Medical Oncology): Die führende europäische Organisation für Fachärzte der medikamentösen Krebstherapie.
FDA (Food and Drug Administration): Die US-amerikanische Behörde, die neue Medikamente prüft und deren Einsatz genehmigt.
Gleason-Score: Ein Bewertungssystem, das die Aggressivität von Prostatakrebszellen unter dem Mikroskop beschreibt.
Lutetium-177-PSMA: Ein modernes radioaktives Medikament zur inneren Bestrahlung von Prostatakrebszellen.
mCRPC: Ein fortgeschrittenes Stadium des Prostatakrebses, bei dem der Tumor trotz Hormonentzug weiterwächst.
Metastase: Eine Absiedlung der Krebserkrankung in einem anderen Organ oder Gewebe des Körpers.
mHSPC: Prostatakrebs mit Metastasen, der jedoch noch empfindlich auf eine Hormonblockade reagiert.
Not mature (unreif): Ein Fachbegriff für Studienergebnisse, die noch nicht endgültig bewertet werden können, da der Beobachtungszeitraum zu kurz ist.
OS (Overall Survival): Die Zeitspanne von der Diagnose bis zum Versterben, gemessen als wichtigster Erfolgswert einer Krebstherapie.
Prognose: Die medizinische Vorhersage über den wahrscheinlichen Verlauf einer Krankheit.
PSA (Prostataspezifisches Antigen): Ein Eiweißwert im Blut, der als Tumormarker für Prostatakrebs dient.
PSMA (Prostataspezifisches Membranantigen): Ein Eiweiß auf der Oberfläche von Prostatakrebszellen, das als Ziel für Diagnose und Therapie genutzt wird.
PSMA-PET/CT: Eine moderne Untersuchungsmethode, die Anatomie und biologische Aktivität des Tumors in einem Bild kombiniert.
PSMA-VOL: Das computergestützt berechnete Gesamtvolumen aller PSMA-positiven Tumorherde im Körper.
Radioligandentherapie: Eine Krebsbehandlung, bei der radioaktive Teilchen direkt zu den Tumorzellen geschickt werden.
rPFS (Radiographisch progressionsfreies Überleben): Die Zeit, in der ein Tumor in Röntgen- oder PET-Bildern nicht sichtbar wächst.
SUV (Standardized Uptake Value): Ein Zahlenwert, der die Helligkeit und damit die Aktivität eines Tumors im PET-Bild beschreibt.
Tracer: Eine markierte Substanz, die im Körper gezielt Krebszellen aufspürt und sie für bildgebende Verfahren sichtbar macht.
Tumorboard: Eine Konferenz verschiedener Fachärzte, die gemeinsam den besten Behandlungsplan für einen Krebspatienten festlegen.
Tumorlast: Die Gesamtmenge an Tumorgewebe, die ein Patient in seinem Körper trägt.
Stand: 5/2026
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