Zum Hauptinhalt springen

Personalisierten Therapie

Die personalisierte Therapie beim Prostatakarzinom zielt darauf ab,
die Behandlung exakt auf die biologischen Merkmale des Tumors
und die individuellen Bedürfnisse des Patienten abzustimmen.
Statt einer Einheitsbehandlung kommen moderne Verfahren
wie die molekulare Diagnostik, zielgerichtete Medikamente
und innovative Bestrahlungsmethoden zum Einsatz.

12.05.2026

Neues zur personalisierten Therapie des Prostatakarzinoms (CME-Kurs)

Prof. Dr. med. Gunhild von Amsberg, Hamburg; Prof. Dr. rer. nat. Hans-Peter Lipp, Tübingen

cme-kurs.de - Gültig bis: 11.05.2027

https://www.cme-kurs.de/cdn2/pdf/Handout_Personalisierten-Therapie-des-Prostatakarzinoms.pdf​​​

https://www.cme-kurs.de/kurse/neues-zur-personalisierten-therapie-des-prostatakarzinoms​​​

15.05.2026

Molecular Drivers of Prostate Cancer Metastasis: Emerging Targets for Precision Therapy

Sage Journals | Open access - 11.05.2026 


Eine patientenverständliche Zusammenfassung des Artikels in deutscher Sprache: 

[In der Blog-Übersicht wird hier ein Weiterlesen-Link angezeigt]


Was ist Prostatakrebs und warum ist die Metastasierung so gefährlich?

Prostatakrebs (PCa) ist eine der häufigsten Krebserkrankungen bei Männern weltweit und die Hauptursache für krebsbedingte Todesfälle bei Männern, wenn er streut (metastasiert). Besonders Männer ab etwa 65 Jahren sind betroffen. Der Krebs entsteht in der Prostata, kann aber in fortgeschrittenen Stadien in andere Organe wandern – vor allem in die Knochen, Lunge oder Leber.

Diese Metastasierung ist das größte Problem: Die Krebszellen lösen sich vom ursprünglichen Tumor, dringen in Blut- oder Lymphgefäße ein, überleben im Blutkreislauf und siedeln sich an neuen Orten an, wo sie neue Tumore bilden. Metastatische Tumore reagieren oft schlechter auf herkömmliche Behandlungen und führen häufig zur Entwicklung einer kastrationsresistenten Form (CRPC), bei der der Krebs trotz Hormontherapie weiterwächst.


Wichtige molekulare Mechanismen, die die Ausbreitung antreiben

Der Artikel erklärt drei zentrale Signalwege und Prozesse, die Prostatakrebszellen helfen, zu metastasieren:

  1. Epithelial-Mesenchymale Transition (EMT) - Normale Prostatakrebszellen sind „epithelial“ – sie sitzen fest zusammen und bilden geordnete Strukturen. Durch EMT verändern sie sich zu beweglichen, „mesenchymalen“ Zellen. Sie verlieren den Klebstoff E-Cadherin und produzieren mehr Vimentin und N-Cadherin. Dadurch können sie sich leichter lösen, wandern und in Gewebe eindringen. Wichtige Regulatoren sind Transkriptionsfaktoren wie Snail, Twist und Slug. EMT macht die Zellen auch widerstandsfähiger gegen Chemotherapie und Strahlung. Viele Signalwege (TGF-β, Wnt, PI3K/AKT) lösen diesen Prozess aus.
  2. PI3K/AKT-Signalweg - Dieser Weg steuert Zellwachstum, Überleben und Stoffwechsel. Bei vielen Prostatakrebs-Patienten ist er überaktiv – oft durch Verlust des „Bremsgens“ PTEN oder Mutationen im PIK3CA-Gen. Aktiviertes AKT fördert EMT, hilft Zellen zu überleben, sich zu teilen und in umliegendes Gewebe einzudringen. Er trägt auch zur Therapieresistenz bei. Inhibitoren dieses Weges werden intensiv erforscht.
  3. Wnt/β-Catenin-Signalweg - Dieser Weg reguliert Zellteilung, Differenzierung und Bewegung. Bei Krebs ist er häufig dauerhaft aktiviert: β-Catenin sammelt sich an, wandert in den Zellkern und schaltet Gene ein, die Wachstum und Invasion fördern. Er spielt auch eine Rolle bei Krebsstammzellen (Cancer Stem Cells – CSCs), die sich selbst erneuern können, Therapien überleben und für Rückfälle sorgen. Der Weg interagiert eng mit EMT und PI3K/AKT.


Zusätzlich spielt der Androgen-Rezeptor (AR)-Signalweg eine zentrale Rolle. Prostatakrebs wächst oft androgen-abhängig. Die Androgen-Deprivationstherapie (ADT = Hormonentzug) ist Standard, verliert aber bei CRPC ihre Wirkung durch AR-Veränderungen. AR beeinflusst ebenfalls EMT und andere metastatische Prozesse.


Aktuelle und neue Therapieansätze (Precision Therapy)

Die klassischen Behandlungen (ADT, Chemotherapie, Immuntherapie) reichen bei metastasiertem oder kastrationsresistentem Krebs oft nicht aus, weil Resistenzen entstehen und Nebenwirkungen stark sein können.


Vielversprechende neue Ziele und Strategien:

  • Blockade von PI3K/AKT: Inhibitoren, die diesen Überlebensweg ausschalten.
  • Hemmung von Wnt/β-Catenin: Substanzen, die die Signalübertragung unterbrechen (z. B. Porcupine-Inhibitoren oder Tankyrase-Inhibitoren).
  • Beeinflussung von EMT: Ansätze, die die Umwandlung rückgängig machen oder die beteiligten Faktoren (Snail, Twist etc.) hemmen.
  • Neue Anti-AR-Mittel: Enzalutamid, Apalutamid, Darolutamid und AR-Degrader, die auch bei Resistenzen wirken.
  • Zielgerichtete Therapien gegen Krebsstammzellen.
  • Radioligandentherapie (z. B. Lutetium-PSMA-617): Radioaktiv markierte Moleküle, die gezielt PSMA-positive Krebszellen angreifen.
  • PARP-Inhibitoren (z. B. Olaparib) bei bestimmten genetischen Veränderungen (z. B. BRCA-Mutationen).
  • Kombinationstherapien: Mehrere Wege gleichzeitig angreifen, um Resistenzen zu vermeiden.
  • Personalisierte Medizin & Liquid Biopsy: Bluttests auf Tumor-DNA oder zirkulierende Tumorzellen ermöglichen, den Krebs in Echtzeit zu überwachen und die Therapie individuell anzupassen. Molekulare Klassifikationen (z. B. PAM50 oder PCS) helfen, aggressive Formen besser einzuschätzen.


Der Artikel betont, dass Präzisionsmedizin – also Behandlungen, die genau auf die molekularen Veränderungen eines Patienten abgestimmt sind – große Hoffnung bietet. Kombinationen aus gezielten Medikamenten, Immuntherapie und Überwachung könnten die Wirksamkeit steigern und Nebenwirkungen verringern.


Ausblick und Fazit des Artikels

Trotz Fortschritten bleibt metastasierter Prostatakrebs eine große Herausforderung. Die bessere Kenntnis der molekularen Treiber (PI3K/AKT, Wnt, EMT, AR, CSCs) eröffnet jedoch neue Wege für zielgerichtete Therapien. Zukünftige Forschung muss sich auf sichere Kombinationen, Überwindung von Resistenzen und individuelle Behandlungsstrategien konzentrieren.

Für Patienten wichtig: Früherkennung, genetische/molekulare Untersuchungen (wo verfügbar) und die Teilnahme an Studien können entscheidend sein. Sprechen Sie mit Ihrem Urologen oder Onkologen über personalisierte Optionen – die Therapielandschaft entwickelt sich rasch weiter.


Diese Zusammenfassung ist vereinfacht und patientenverständlich formuliert. Der Originalartikel ist eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit mit Fokus auf präklinische und frühe klinische Daten. Für individuelle medizinische Ratschläge konsultieren Sie bitte Ihren behandelnden Arzt.